Gebäudetypen
Energieausweis für Gastronomie: Was müssen Wirtshaus, Café und Biergarten in Bayern wissen?

Wer einen Gasthof, ein Wirtshaus oder ein Café in Bayern verkauft, verpachtet oder neu vermietet, muss dem Interessenten spätestens bei der Besichtigung einen Energieausweis vorlegen. Der Ausweis erfasst Heizung, Warmwasser, Lüftung und Licht, nicht das Kochen selbst. Ab 01.01.2027 ist bei Nichtwohngebäuden nur noch der Bedarfsausweis zulässig, wir stellen ihn für 899 Euro aus.
Ein Wirtshaus in Oberbayern, ein Café in der Altstadt von Bamberg, ein Seeterrassen-Restaurant am Chiemsee oder die Brauereigaststätte in Franken: Gastronomie in Bayern steckt häufig in Häusern, die älter sind als der Betrieb. Der Energieausweis fragt deshalb weniger nach dem Wirt als nach dem Haus. Hier steht, was er zählt, was nicht, und worauf Verpächter und Betreiber im Freistaat achten sollten.
Rechtsgrundlage ist das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz). Das Energieausweisrecht ändert sich zum 01.01.2027, wir nennen beide Stände.
Wann braucht ein Gasthof oder Café einen Energieausweis?
Bei Verkauf, Vermietung, Verpachtung oder Leasing. Der Ausweis ist dem Interessenten spätestens bei der Besichtigung vorzulegen und nach Vertragsschluss zu übergeben (§ 80 GModG). Ab 01.01.2027 löst auch die Verlängerung eines solchen Vertrags die Pflicht aus.
In der Gastronomie ist das keine Randnotiz. Pächter wechseln häufig, Brauereien verpachten ihre Wirtshäuser, Familienbetriebe suchen Nachfolger. Jeder Wechsel ist ein Anlass. Ein gültiger Ausweis spart dann Zeit, denn er gilt zehn Jahre.
Wer seinen Betrieb nur weiterführt, ohne zu verkaufen, zu verpachten oder zu verlängern, muss nichts tun.
Was zählt in einer Gaststätte zur Gebäudeenergie, was zum Betrieb?
Der Ausweis erfasst Heizung, Warmwasser, Lüftung, Kühlung der Räume und die fest eingebaute Beleuchtung. Die Energie für Kochen, Braten und Spülen ist Betriebsprozess und fließt nicht in die Bilanz.
Das hat Folgen. Der Gasherd der Wirtshausküche verändert den Ausweis nicht, die Dunstabzugsanlage dagegen schon, denn sie ist Anlagentechnik des Gebäudes. Die Kühlzelle für Fleisch und Fassbier ist Betriebstechnik, aber die Wände und Decken um sie herum sind Teil der Hülle.
Genau deshalb passt für Gastronomie der Bedarfsausweis besser als der Verbrauchsausweis. Wer die Stromrechnung eines Wirtshauses liest, sieht überwiegend Küche, Kühlung und Zapfanlage. Über das Gebäude sagt sie wenig. Bis 31.12.2026 dürfen Sie bei Nichtwohngebäuden noch zwischen Bedarf und Verbrauch wählen, wir empfehlen im Gewerbe den Bedarfsausweis. Warum, erklärt der Ratgeber Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis im Gewerbe.
Wie zoniert man ein Wirtshaus: Gaststube, Küche, Saal und Zimmer?
Jede Zone mit eigener Nutzung, Temperatur und Technik bekommt ihr eigenes Profil. Im Festpreis sind bis zu vier Nutzungszonen enthalten. Die Zonierung ist die eigentliche Arbeit bei der Berechnung, nicht die Aufnahme.
Ein typischer bayerischer Landgasthof hat Gaststube, Nebenzimmer, Saal, Küche, Kühl- und Lagerräume, Toiletten und oft Fremdenzimmer. Nicht alles davon wird eigene Zone. Wir fassen zusammen, was sich technisch gleich verhält, und trennen, was sich unterscheidet.
| Bereich | Beispiel in Bayern | Zählt zur Gebäudebilanz? | Was wir dafür brauchen |
|---|---|---|---|
| Gaststube, Nebenzimmer | Stube mit Kachelofen oder Heizkörpern | Ja, Heizung und Licht | Fläche, Heizsystem |
| Saal | Hochzeitssaal, Vereinsraum | Ja, oft eigene Zone | Fläche, Raumhöhe, Lüftung |
| Küche | Wirtshausküche mit Dunstabzug | Teils: Raumklima ja, Kochen nein | Fläche, Art der Lüftung |
| Kühl- und Lagerräume | Kühlzelle, Getränkelager, Bierkeller | Hülle ja, Kühltechnik nein | Fläche, Lage im Haus |
| Fremdenzimmer | Gästezimmer im Obergeschoss | Ja, eigene Nutzung | Zahl und Fläche, Warmwasser |
| Sanitär und Personal | WC, Umkleide, Büro | Ja, meist klein | Fläche, Warmwasserbereitung |
Gehören Fremdenzimmer zum Betrieb, lohnt ein Blick in den Ratgeber zu Hotel und Pension. Dort geht es um Betten, Betriebszeiten und das Warmwasser im Beherbergungsbetrieb.
Was bedeutet die Küchenlüftung für das Ergebnis?
Eine große Abluftanlage ohne Wärmerückgewinnung treibt den Heizbedarf nach oben. Sie führt warme Luft nach draußen und holt kalte nach. Gerade in Wirtshausküchen, die mittags und abends mit voller Leistung laufen, ist das der Posten, der eine Berechnung am stärksten prägt.
Deshalb fragen wir nach drei Dingen: Gibt es eine Zuluftanlage oder strömt die Ersatzluft über Fenster und Türen nach? Läuft die Abluft dauerhaft oder bedarfsgesteuert? Und ist eine Wärmerückgewinnung eingebaut? Ein Foto der Haube und des Typenschilds beantwortet die meisten Fragen. Aus den Antworten entstehen oft die konkretesten Modernisierungsempfehlungen im Ausweis, etwa eine Steuerung der Abluft nach Betrieb.
Wie wirken sich Saison und Öffnungszeiten aus?
Der Ausweis rechnet mit Nutzungsprofilen, nicht mit dem einzelnen Wirt. Ein Haus, das sechs Tage in der Woche abends geöffnet ist, wird anders angesetzt als eine Ausflugsgaststätte, die nur am Wochenende öffnet. Für Betriebe im Allgäu, am Tegernsee oder im Bayerischen Wald mit Hochsaison im Sommer oder Winter sind die tatsächlichen Öffnungszeiten deshalb eine nützliche Angabe, auch wenn sie das Ergebnis nicht allein bestimmen.
Wichtig ist: Sie müssen dafür keine Abrechnungen sammeln. Ein kurzer Satz am Telefon genügt, wir tragen ihn in die Berechnung ein.
Zählen Biergarten, Terrasse und Wintergarten mit?
Ein offener Biergarten zählt nicht, ein geschlossener, fest beheizter Wintergarten schon. Die Bauart entscheidet, nicht der Name.
Was für Bayern typisch ist: Der Biergarten unter Kastanien hat keine Gebäudehülle und fließt nicht in die Berechnung ein. Die überdachte Seeterrasse mit Glaswänden und fester Heizung am Chiemsee oder Starnberger See ist dagegen ein Gebäudeteil. Mobile Heizstrahler im Winter ändern daran nichts, sie gelten nicht als Gebäudetechnik.
Schwierig sind Zwischenformen: die Terrasse mit Schiebeverglasung, der Pavillon mit Zeltdach, der Wintergarten, der nur an Feiertagen beheizt wird. Dafür genügen Fotos und eine kurze Beschreibung, wie er im Winter genutzt wird. Wir klären das in der Vorprüfung.
Was gilt für Almhütten, Skihütten und Saisonbetriebe?
Kleine und saisonal genutzte Gebäude können von der Ausweispflicht ausgenommen sein. Bis 31.12.2026 gilt das für Gebäude mit höchstens 50 Quadratmetern Nutzfläche. Ab 01.01.2027 gilt die Ausnahme für Gebäude mit weniger als 50 Quadratmetern. Zusätzlich können Betriebsgebäude, die nach ihrer Zweckbestimmung jährlich weniger als vier Monate beheizt und weniger als zwei Monate gekühlt werden, nach § 2 Abs. 2 GModG ausgenommen sein.
In den Alpen- und Seenregionen betrifft das etwa die Skihütte, die nur im Winter öffnet, oder den Ausschank am Badeweiher. Ob Ihr Gebäude dazugehört, hängt von Nutzung und Fläche ab. Pauschal lässt sich das nicht sagen: Eine ganzjährig bewirtschaftete Berghütte mit Übernachtung fällt meist nicht unter die Ausnahme.
Wie wirkt sich der Denkmalschutz bei einem historischen Wirtshaus aus?
Bis 31.12.2026 sind Baudenkmäler von der Ausweispflicht ausgenommen. Ab 01.01.2027 fällt diese Ausnahme weg, dann brauchen auch denkmalgeschützte Gaststätten bei Verkauf, Vermietung und Vertragsverlängerung einen Energieausweis.
In Bayern ist das relevant, weil es viele Gasthöfe, Brauereigaststätten und Bürgerhäuser in geschützten Ensembles gibt. In Altstädten wie Regensburg oder Bamberg sitzen Gaststätten oft in Häusern mit besonderer Bausubstanz. Das Bayerische Denkmalschutzgesetz regelt den Schutz, die Entscheidungen treffen die Denkmalschutzbehörden. Das ändert nichts an der Ausweispflicht ab 2027, es erklärt aber, warum ein Ausweis für ein Haus mit dicken Mauern und kleinen Fenstern oft nüchterne Zahlen zeigt und Modernisierungsempfehlungen mit Augenmaß braucht. Mehr dazu im Ratgeber Denkmal bei Nichtwohngebäuden.
Der Ausweis selbst ist keine Sanierungsaufforderung. Er zeigt, wo Sie stehen.
Wer muss bei Brauerei, Pächter und Familienbetrieb den Ausweis veranlassen?
Die Vorlagepflicht liegt bei dem, der verkauft, vermietet oder verpachtet. Gehört das Haus der Brauerei und ist die Gaststätte verpachtet, ist das der Verpächter. Gehört das Haus dem Wirt, ist es der Wirt selbst.
Gastronomie in Bayern ist häufig Familienbetrieb, oft mit Zimmern, mit Metzgerei, Landwirtschaft oder eigener Brauerei. Der Anlass kommt oft unerwartet: Generationenwechsel, Verkauf, Verpachtung an einen Nachfolger. Dann wird der Ausweis schnell gebraucht. Es lohnt sich, Grundriss und Fotos früh zusammenzustellen.
Das Café im Erdgeschoss eines Bürohauses in München braucht keinen eigenen Ausweis, der Ausweis gilt für das Gebäude. Liegt das Lokal in einem Haus mit Wohnungen, gilt ein anderes Bild.
Was gilt, wenn das Lokal im Erdgeschoss eines Wohnhauses liegt?
Dann ist es ein Mischgebäude. Bis 31.12.2026 werden Wohnteil und Nichtwohnteil getrennt ausgewiesen, wenn der Nichtwohnanteil erheblich ist (über 10 Prozent der Gesamtnutzfläche) und sich Nutzung und Anlagentechnik wesentlich unterscheiden. Wir stellen beide Ausweise bis 31.12.2026 im Paket für 899 Euro statt 1.298 Euro einzeln aus.
Ab 01.01.2027 gibt es einen Bedarfsausweis für das ganze Gebäude, in Zonen gerechnet. Voraussetzung ist, dass nicht unerhebliche Teile der Nutzfläche wesentlich anderen Zwecken als dem Wohnen dienen. Mehr dazu unter Bedarfsausweis für Mischgebäude.
Was ändert sich zum 01.01.2027 für die Gastronomie?
Für Nichtwohngebäude ist dann nur noch der Bedarfsausweis zulässig, und er kennt erstmals Klassen von A bis G. Bis 31.12.2026 hat ein Nichtwohngebäude keine Klasse.
Die Klasse ergibt sich aus dem Verhältnis zum Referenzgebäude. Klasse A ist auf Nullemissionsgebäude beschränkt. Wo Ihr Haus beim Energiebedarf voraussichtlich liegt, sagen wir Ihnen in der Vorprüfung. Eine Zusage zur Klasse gibt es vorab nicht, sie hängt von der Berechnung ab. Ausweise von 2026 bleiben zehn Jahre gültig.
Für bestehende Nichtwohngebäude gelten außerdem ab 01.01.2030 und 01.01.2033 Renovierungsanforderungen nach § 40 GModG (3,5-faches beziehungsweise 2,95-faches des Referenzgebäudes), mit zahlreichen Ausnahmen. Der Ausweis löst sie nicht aus. Einen Überblick bietet der Ratgeber Pflicht 2027.
Wer keinen Ausweis vorlegen kann, riskiert Bußgelder: bis 10.000 Euro bei fehlendem oder falschem Ausweis bei Verkauf oder Vermietung, bis 5.000 Euro bei Nichtvorlage in der Besichtigung oder Nichtübergabe (§ 108 GModG).
Was kostet der Ausweis für meinen Betrieb, und wie läuft es ab?
Der Bedarfsausweis kostet 899 Euro Festpreis. Enthalten sind bis zu vier Nutzungszonen, Modernisierungsempfehlungen, die DIBt-Registriernummer und zehn Jahre Gültigkeit. Alle Preise sind Endpreise, wir sind Kleinunternehmer nach § 19 UStG. Die Lieferung erfolgt innerhalb von 24 Stunden nach vollständigen Unterlagen, eine Geld-zurück-Garantie gehört dazu. Details unter Bedarfsausweis Kosten.
Der Ablauf ist einfach: Sie schicken Grundriss, Fotos von Heizung und Küchenlüftung und ein paar Angaben, wir erledigen den Rest. Kein Techniker kommt in Ihre Küche. Es gibt keinen Vor-Ort-Termin, alles läuft per Telefon, E-Mail und Foto.
Rechenbeispiel, keine reale Kundenreferenz: Ein Landgasthof in Oberbayern, Baujahr 1968, mit Gaststube, Saal, Küche, Kühlräumen und sechs Fremdenzimmern. Gerechnet werden drei bis vier Zonen. Die Gasheizung von 2012, die Dunstabzugsanlage und die Warmwasserbereitung gehen in die Bilanz ein. Der Herd nicht.
Nächster Schritt
Schicken Sie uns Grundriss und Fotos Ihres Betriebs. In der kostenlosen Vorprüfung sagen wir Ihnen vorab, wo Ihr Gebäude beim Energiebedarf voraussichtlich liegt und was noch fehlt. Telefon und WhatsApp: 0152 060 777 67.
Häufige Fragen
Zählt der Herd in der Wirtshausküche zum Energiebedarf im Ausweis?
Nein. Kochen, Braten und Spülen gelten als Betriebsprozess. Zur Gebäudebilanz gehören Raumheizung, Warmwasser, Lüftung der Küche und die eingebaute Beleuchtung.
Muss ich bei einem Pächterwechsel einen neuen Ausweis machen lassen?
Nur, wenn noch keiner vorliegt oder der vorhandene abgelaufen ist. Ein gültiger Ausweis gilt zehn Jahre ab Ausstellung und kann dem neuen Pächter vorgelegt werden.
Brauche ich einen Ausweis für den Biergarten?
Eine offene Fläche ohne Gebäudehülle gehört nicht in die Berechnung. Ein geschlossener, fest beheizter Wintergarten dagegen schon. Entscheidend ist die Bauart.
Gilt die Pflicht auch für kleine Almhütten und Skihütten?
Gebäude mit höchstens 50 Quadratmetern Nutzfläche sind bis 31.12.2026 ausgenommen, ab 01.01.2027 gilt die Ausnahme für Gebäude mit weniger als 50 Quadratmetern. Auch Betriebsgebäude, die jährlich weniger als vier Monate beheizt und weniger als zwei Monate gekühlt werden, können ausgenommen sein (§ 2 Abs. 2 GModG). Das prüfen wir im Einzelfall.
Was passiert bei einem Wirtshaus im Baudenkmal?
Bis 31.12.2026 sind Baudenkmäler von der Ausweispflicht ausgenommen. Ab 01.01.2027 entfällt diese Ausnahme, dann brauchen auch denkmalgeschützte Gaststätten bei Verkauf oder Vermietung einen Ausweis.
Wie schnell ist der Ausweis für meinen Betrieb fertig?
Innerhalb von 24 Stunden nach vollständigen Unterlagen. Grundriss, Fotos der Heizung und Angaben zur Küchenlüftung reichen für den Start.
Quellen
Stephan GrosserGründer & Geschäftsführer, Immobilienexperte seit über 18 Jahren. Wir erstellen seit 2018 Energieausweise für Gewerbe, Praxen, Hallen und Wohngebäude, jeden mit DIBt-Registriernummer.